Ein Übersetzungsfehler kann Millionen kosten!

Mehrsprachigkeit

Sprechen Sie Englisch? Beherrschen Sie auch Französisch? Außerdem lernen sie noch Polnisch und im nĂ€chsten Jahr haben Sie vor, Italienisch zu lernen. Ausgezeichnet! Das bedeutet nicht nur, dass sie multilingual sind, sondern auch, dass sie intelligent und kreativ sind.

Laut einer italienischen Studie haben Menschen, die mehr als eine Sprache sprechen, stĂ€rker entwickelte kognitive FĂ€higkeiten. Das heißt, dass bilinguale Menschen schneller Entscheidungen treffen können und kreativer und aufmerksamer sind als einsprachige Menschen.

Noch ein weiterer Vorteil der Mehrsprachigkeit – Schutz vor Demenz und Alzheimer. Eine amerikanische Studie hat ergeben, dass Demenz und Alzheimer bei mehrsprachigen Menschen durchschnittlich vier Jahre spĂ€ter einsetzen als bei einsprachigen Menschen.

Mehrsprachigkeit macht Sie noch nicht zum Übersetzer

Viele Menschen verfĂŒgen ĂŒber Fremdsprachkenntnisse, aber nicht alle von ihnen sind Übersetzer. Ein guter Übersetzer ist nicht nur in der Ausgangs- und Zielsprache kompetent, sondern hat auch das GespĂŒr fĂŒr interkulturelle Unterschiede. Sein Ziel ist nicht nur Übersetzung von Wörtern, sondern von Inhalt und Intention des Quelletextes. Im Laufe der Zeit spezialisieren sich die besten Übersetzer auf bestimmte Fachbereiche, damit die Texte von höchster QualitĂ€t sind – nicht nur inhaltlich, sondern auch terminologisch.

Ein kleiner Fehler beim Übersetzen kann große Folge haben. Wie groß? So groß, dass man Millionen fĂŒr sie bezahlen muss.

Die grĂ¶ĂŸten Übersetzungsfehler

  1. 71 Millionen wegen eines falschen Wortes

In den 80er Jahren wurde ein spanischer Junge namens Willie Ramirez ins Krankenhaus gebracht. Seine Familie und Freunde versuchten seinen Zustand zu beschreiben, jedoch leider erfolgslos, denn sie sprachen nur Spanisch. Zum GlĂŒck konnte einer der Ärzte auch Spanisch, der das Wort „intoxicado“ als „intoxicated“ ĂŒbersetzte, da sie sehr Ă€hnlich klingen. Ein professioneller Dolmetscher hĂ€tte gewusst, dass das Wort „intoxicado“ eigentlich „vergiftet“ bedeutet, wĂ€hrend das Wort „intoxicated“ eine andre Bedeutung hat, und zwar „berauscht“.

Die Familie dachte, dass der Junge sich eine Lebensmittelvergiftung zugezogen hĂ€tte. Er litt jedoch tatsĂ€chlich unter einer intrazerebralen Blutung. Aber weil die Übersetzung falsch war, gingen die Ärzte weiter so vor, als ob er eine DrogenĂŒberdosis genommen hĂ€tte.

Falsche Übersetzung fĂŒhrte zur Verzögerung der Behandlung, was schwerwiegende Konsequenzen fĂŒr Ramirez hatte – er wurde zum Tetraplegiker.

Er erhielt eine Schadensersatzzahlung von 71 Millionen Dollar.

  1. Tu nichts

HSBC ist eines der weltweit grĂ¶ĂŸten Finanzinstitute mit Sitz in Großbritannien. Im Jahr 2009 musste die HSBC Bank eine $ 10 Millionen Rebranding-Kampagne starten, um den Schaden zu beheben, der sich daraus ergab, dass ihr Slogan »Assume Nothing« als »Do Nothing« (tu nichts) in verschiedenen LĂ€ndern falsch ĂŒbersetzt wurde.

  1. Schokolade fĂŒr ihn

In den 50er Jahren war Schokolade, wie noch heute, ein sehr beliebtes Geschenk am Valentinstag. Die Schokoladenfirmen fĂŒhrten großen Kampagnen in der ganzen Welt durch und verbreiteten diese Tradition auch in Japan. Doch es passierte etwas Unerwartetes: Eine der Schokoladenfirmen hatte einen Slogan falsch ins Japanische ĂŒbersetzt – der Slogan wurde in Japan so verstanden, dass am 14. Februar, am Valentinstag, die Frauen den MĂ€nnern Schokolade schenken. Und so ist es heute tatsĂ€chlich noch immer. Am 14. Februar beschenken die Japanerinnen ihre MĂ€nner mit Schokoladenherzen und TrĂŒffelpralinen, und am 14. MĂ€rz erweisen die MĂ€nner diese Gunst zurĂŒck.

  1. Moses mit Hörnern

Waren Sie schon einmal in Rom in der Kirche von San Pietro? Dann haben sie wahrscheinlich die Statue eines bĂ€rtigen Mannes mit Hörnern gesehen. Es handelt sich um die Darstellung des Moses von Michelangelo. Die Frage aber ist, warum Michelangelo der biblischen Gestalt Hörner aufgesetzt hat? Die Antwort heißt: falsche Übersetzung.

Michelangelo wusste nicht, dass der heilige Hieronymus, der Schutzpatron der Übersetzer, einen Fehler machte. Hieronymus studierte HebrĂ€isch, damit er das Alte Testament aus dem Original in das Lateinische ĂŒbersetzen konnte, anstatt aus der griechischen Version des dritten Jahrhunderts, die alle anderen benutzt hatten. Die lateinische Version, die spĂ€ter als Grundlage fĂŒr Hunderte von spĂ€teren Übersetzungen diente, enthielt aber diesen berĂŒhmten Fehler.

Als Moses vom Berg Sinai herunterkommt, hat sein Kopf „Ausstrahlung“ oder auf HebrĂ€isch „Karan“. Aber HebrĂ€isch wird ohne Vokale geschrieben und der hl. Hieronymus hatte „karan“ als „keren“ oder „Hörner“ gelesen. Durch diesen Fehler entstanden jahrhundertelang GemĂ€lden und Skulpturen von Moses mit Hörnern, darunter auch das berĂŒhmte Werk von Michelangelo.