Übersetzungsfunktion

Translationswissenschaft

Die Übersetzungswissenschaft oder die Translationswissenschaft ist eine Disziplin, die ursprünglich eine sprachwissenschaftlich fundierte Disziplin war. Das änderte sich auf dem zweiten Kongress der Slawisten.  Der Kongress fand 1958 in Moskau statt. Dort wurde die Problematik der Übersetzungswissenschaft zur Diskussion gebracht. Es wurde eine separate Wissenschaft vorgeschlagen, die alle Formen der Übersetzung studieren konnte, die sich nur teilweise mit der Linguistik oder der Literaturwissenschaft beschäftigt hätte. Innerhalb der Vergleichenden Literaturwissenschaft wurden in den 1960er Jahren Übersetzungsworkshops an einigen amerikanischen Universitäten, wie der Universität von Iowa und Princeton, gefördert. In den 1960er Jahren begann sich die Translationswissenschaft zu entwickeln. Viele neue Studien wurden geschrieben, wie zum Beispiel das Buch Toward a Science of Translating von Eugene Nida.

Der Begriff Übersetzungswissenschaft wurde von James S. Holmes in seinem bekannten Aufsatz The Name and Nature of Translator Studies geprägt, der 1972 dem Übersetzungsbereich des Dritten Internationalen Kongresses für Angewandte Linguistik in Kopenhagen präsentiert wurde, aber erst 1988 veröffentlicht wurde und seitdem weit verbreitet ist.

Heutzutage hat die Übersetzungsforschung einen anderen Weg eingeschlagen, der automatischer ist. Die Erfindung des Internets, zusammen mit den neuen technologischen Entwicklungen in der Kommunikation und digitalen Materialien, hat den kulturellen Austausch zwischen den Nationen intensiviert. Das bedeutet, dass der Übersetzer dazu gezwungen ist, praktischere Techniken zu suchen, die ermöglichen, mehr Umfang in kürzerer Zeit zu übersetzen.

Übersetzungsfunktion

Obwohl sich seit Beginn der Translationswissenschaft viel verändert hat, gilt etwas Wichtiges noch immer für alle Übersetzungen – das ist die Übersetzungsfunktion.

Jeder Text braucht eine Funktion, damit der Zieltext in der Zielkultur seinen kommunikativen Zweck erfüllt. Ein Text wird immer mit einer bestimmten Absicht, mit einem kommunikativen Sinn geschrieben. Und diese Absicht ist nichts anderes als eine Textfunktion.

Man unterscheidet zwischen verschiedenen Funktionen, unter denen man auch informative, instruktive, didaktische, emotive, persuasive und viele andere Funktionen findet.

Klaus Brinker, deutscher Linguist, hat in Anlehnung an die Klassifizierung der Sprechakte 5 Grundfunktionen beschrieben:

  1. Informationsfunktion
  2. Appellfunktion
  3. Obligationsfunktion
  4. Kontaktfunktion
  5. Deklarationsfunktion

Ein Text kann zwar mehrere Funktionen haben, aber nur eine ist diejenige, die überwiegt. In einer Nachricht ist zum Beispiel die Informationsfunktion die Grundfunktion. Ein Wahlaufruf funktioniert als ein Appelltext, ein Vertrag hat Obligationsfunktion. Kontaktfunktion findet man in Briefen, Postkarten, E-Mails und ähnlichem.

Beim Übersetzen spielt Textfunktion eine große Rolle. Ein guter Übersetzer erkennt nicht nur interkulturelle Unterschiede, sondern achtet auch auf die Funktion des Textes. Manchmal ist es sogar am wichtigsten, dass man die Textfunktion übersetzt, denn was im Englischen eine Informationsfunktion innehat, könnte im Deutschen beispielsweise als Appellfunktion wirken.

Die Aufgabe eines guten Übersetzers ist in erster Linie, dass er die Funktion des Textes erkennt und mit Hilfe sprachlicher Mittel und stilistischer Figuren auch diese übersetzt.